AEVO - eine Zeitreise

Stell dir vor, du könntest in der Zeit zurückreisen – ganz ohne Zeitmaschine. Was würdest du sehen, wenn du den Menschen in der Steinzeit beim Lernen zuschaust? Ganz richtig: Sie jagten, sammelten, erzählten Geschichten am Feuer und probierten alles selbst aus. Sie hatten keine Lehrpläne, keine Zertifikate – und doch überlebten sie in einer harten Welt, weil sie wussten, wie man Wissen richtig weitergibt.

Genau darum geht es auch heute noch: Wissen systematisch weiterzugeben. Ob in der Ausbildung, im Beruf oder in der Wissenschaft – die Methoden haben sich verändert, die Grundidee ist zeitlos. Wer heute eine Ausbildung zur Wissenschaftsassistentin macht oder den AdA-Schein erwirbt, lernt nicht nur Fakten, sondern auch, wie man Wissen Schritt für Schritt vermittelt und Menschen befähigt, selbstständig zu handeln.

In dieser Geschichte nimmt uns Prof. Dr. Kopernikus mit auf eine kleine Zeitreise und erklärt seiner jungen Nichte, warum der Weg über Ausbildung und systematisches Lernen kein Umweg, sondern der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg ist.

Es war ein verregneter Nachmittag in der Bibliothek von Prof. Dr. Kopernikus. Zwischen alten Büchern und Sternenkarten saß seine Nichte Clara, die gerade die Augen über den Tisch rollen ließ.

„Ich verstehe das einfach nicht, Onkel“, seufzte sie. „Warum muss ich erst den AdA-Schein machen, bevor ich richtig in der Forschung loslegen kann? Ich will doch direkt experimentieren und selbstständig forschen!“

Prof. Dr. Kopernikus schmunzelte und zog ein altes Manuskript aus dem Regal. „Ah, meine liebe Clara, du hast den Sinn der Ausbildung noch nicht ganz verstanden. Lass mich dir eine Geschichte erzählen – von der Zeit, bevor Bildung und Wissen so frei waren wie heute.“

  1. Steinzeit

Lange bevor der gesunde Menschenverstand sich regte, lebten die Menschen in einer Welt voller Gefahren. Hunger nagte an ihren Bäuchen, Krankheiten schwächten ihre Körper, und wilde Tiere lauerten in jedem Schatten. Jeder Tag war ein Kampf ums Überleben – und noch niemand wusste, wie man Wissen systematisch weitergab.

    Eines Tages, so erzählen die Legenden, erschien am Himmel ein schwarzer Obelisk. Er senkte sich langsam zwischen die Stammeslager, glänzend und geheimnisvoll – und brachte den Menschen ein unglaubliches Geschenk: die Vier-Stufen-Methode.

    Der Obelisk leuchtete auf, und plötzlich verstanden die Menschen die uralte Weisheit des Lernens:

    1. Vormachen – Ein Älterer zeigte, wie man jagt, Feuer entfacht oder Werkzeuge fertigt.
    2. Erklären – Mit einfachen Worten und Gesten wurde das Vorgezeigte verständlich gemacht.
    3. Nachmachen – Die Jüngeren durften selbst Hand anlegen, Fehler machen und daraus lernen.
    4. Üben – Durch ständiges Wiederholen festigte sich das Wissen und bereitete auf die harte Welt vor.

    Dank des schwarzen Obelisken konnten die Menschen nicht nur überleben, sondern sich weiterentwickeln. Sie begannen, Wissen bewusst weiterzugeben, Geschichten zu erzählen, Rituale zu nutzen und aus Fehlern zu lernen. Schritt für Schritt wuchs ihre Kultur, und aus den einfachen Jägern und Sammlern wurden die ersten Baumeister, Heiler und Forscher.

    Und so erklärt der Obelisk auch heute noch: Lernen ist ein Prozess. Wer die Stufen überspringt, stolpert; wer sie Schritt für Schritt durchläuft, wird stark, kreativ und bereit für die Welt.

    2. Mittelalter

    Clara lehnte sich zurück. „Also haben die Menschen damals alles durch Versuch und Irrtum gelernt?“

    „Ganz genau“, nickte Kopernikus. „Doch mit der Zeit änderte sich die Welt. Aus den freien Stammesgruppen der Steinzeit wurden Städte, Königreiche und schließlich ganze Reiche. Mit diesen Strukturen kamen Regeln für das Lernen – Regeln, die nicht immer dem freien Denken dienten.“

    Er deutete auf die dicken, in Leder gebundenen Bücher um sie herum. „So betreten wir die mittelalterliche Welt – eine Zeit, in der die Kirche und andere Mächte entschieden, wer lernen durfte, was gelehrt wurde und wie Wissen weitergegeben wurde.“

    „Stell dir vor, du lebst im Mittelalter. Die Menschen lernen nur, was die Kirche erlaubt. Alles andere gilt als gefährlich oder gar ketzerisch. Galileo Galilei zum Beispiel – er beobachtete die Sterne und stellte fest, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Aber die Kirche lehnte seine Ideen ab.“

    Clara schaute skeptisch. „Also wurden Menschen daran gehindert, richtig zu lernen?“

    „Ganz genau“, nickte Kopernikus. „Kreativität und kritisches Denken wurden bestraft. Wissen blieb auf kleine, privilegierte Gruppen beschränkt. Heute verhindern Initiativen wie Open Access, peer-reviewed Publikationen und evidenzbasierte Lehrpläne, dass Wissen durch Dogmen blockiert wird. Ähnlich wie der AdA-Schein die Ausbilderinnen und Ausbilder darin schult, Wissen korrekt und nachvollziehbar weiterzugeben.“

    3. Renaissance

    „Also, Onkel, die Menschen der Renaissance haben wieder angefangen, Wissen zu sammeln und weiterzugeben?“ fragte Clara.

    „Genau“, nickte Kopernikus. „Die Steinmetze organisierten sich in Zünften und Gilden. Nur wer die Regeln kannte, durfte lernen. Wer die Prüfungen bestand, wurde Meister und konnte Wissen an Lehrlinge weitergeben. Später entwickelten sich daraus die Freimaurerlogen – geheime Schulen, die Wissen systematisch weitergaben, Werte vermittelten und Lernende Schritt für Schritt anleiteten.“

    „Wie heute der AdA-Schein?“

    „Exakt“, sagte Kopernikus. „Die Grundidee ist die gleiche: Strukturiertes Lernen, Qualität sichern, Verantwortung übernehmen. Nur die Werkzeuge haben sich geändert.“

    4. Industriezeitalter

    Clara blätterte in einem Buch über die Industrialisierung. „Und danach – die Industrialisierung? War das nicht wieder ein Rückschritt?“

    „Leider ja“, seufzte Kopernikus. „Viele Fabrikbesitzer dachten nur an Profit. Kinderarbeitszeiten von 12 bis 16 Stunden, keine Pausen, gefährliche Maschinen – Menschen wurden ausgebeutet. Friedrich Engels dokumentierte die Missstände in Manchester. Damals zählte nur Gewinn, nicht das Wohl der Menschen.“

    „Und heute?“

    „Heute gibt es Arbeitsgesetze, Kinderschutz, Arbeitsschutz, Mindestlohn und Mitbestimmung. Organisationen wie die ILO sorgen dafür, dass Missstände nicht wieder passieren. Der AdA-Schein stellt sicher, dass Wissen verantwortungsvoll, praxisnah und sicher vermittelt wird.“

    5. Heute

    „Und heute?“ fragte Clara neugierig. „Alles läuft perfekt?“

    Prof. Dr. Kopernikus schüttelte den Kopf. „Noch lange nicht. Wir haben Fortschritte gemacht – doch die moderne Welt bringt neue Herausforderungen.“

    „Welche denn?“

    „Überalterung der Gesellschaft, Fachkräftemangel, lebenslanges Lernen, Burn-out, Überforderung, Stresserkrankungen und die Verantwortung für Umweltschutz. Viele Menschen müssen ständig neue Technologien lernen, sind unter Druck und arbeiten am Limit. Wir müssen Balance, Reflexion und Nachhaltigkeit in Ausbildung und Arbeit integrieren.“

    Clara seufzte. „Also ist noch einiges zu tun… Ich dachte, mit Gesetzen, Ausbildung und AdA-Schein wäre alles geregelt.“

    „Nein, Clara“, lächelte Kopernikus. „Regeln und Wissen sind die Grundlage. Aber wir müssen sie anwenden, anpassen und weiterentwickeln. Verantwortung, Achtsamkeit und Struktur bleiben entscheidend – von der Steinzeit bis heute.“

    Clara nickte nachdenklich. „Also gibt es immer etwas zu verbessern – aber wir haben die Werkzeuge, um es zu tun.“

    „Ganz genau“, sagte Kopernikus. „Und genau das macht den Unterschied zwischen bloßem Wissen und echter, nachhaltiger Ausbildung aus – die Kombination aus Erfahrung, Struktur und Verantwortung, vom Lagerfeuer bis zum AdA-Schein.“

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